Implizites Wissen und Fehlerkulturen

Vieles im Wissenschaftsbetrieb bleibt unausgesprochen, weil es uns nach all den Jahren selbstverständlich vorkommt. Dazu gehört viel Gutes – etwa unsere Werte und Qualitätsstandards, oder die fachlichen Instinkte einer erfahrenen Forscherin. Wenn dieses Wissen aber “implizit” bleibt, erschwert es neu hinzukommenden Forscher:innen und Studierenden, die scheinbar geheimen Regeln zu entschlüsseln, die unseren Alltag bestimmen. Und es weckt oft ganz falsche Erwartungen an die Forschung – denn aller Begeisterung und aller Planung zum Trotz ist sie eben nie vorhersagbar, und ihre einmal gewonnenen Ergebnisse bleiben durchaus vorläufig.

Das alles kritisch einzuordnen, und es im eigenen Arbeitsalltag auszuhalten, ist gar nicht so einfach. Gerade dann, wenn Fehler passieren. Und mit denen müssen wir immer und überall rechnen, wo Menschen tätig sind. Schuldgefühle, Scham, und die Angst vor sozialen oder juristischen Konsequenzen erschweren den Umgang mit Fehlern – und verspielen die Chance, aus ihnen zu lernen und sie wirksamer zu vermeiden.

Als konkreten Schritt entwickeln wir neue Lehr- und Lernumgebungen – in echten Räumen genau so wie rein virtuell. Dort wollen wir miteinander üben, Fehler zu bemerken, einander mitzuteilen, zu bewerten, zu beheben, und wo immer möglich zu vermeiden. Funding erwünscht – stay tuned. 🙂


Bischoff, S.J. & Dehmelt, F. A. (2026). From incidents to insights: fostering error cultures in laboratory animal science. Laboratory Animals (in print).


Deshalb wollen wir systematisch erforschen, welche Fehler für unsere Fachgemeinschaft “typisch” sind, wie bislang damit umgegangen wird, und wie wir konstruktive Fehlerkulturen bewusst mitgestalten können. Dazu schauen wir insbesondere auf den Umgang mit Versuchstieren, bei dem Fehler besonders schwere Konsequenzen haben können, und die deshalb umso schwieriger anzusprechen sind.